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Daniel Falb ist Lyriker und Theoretiker. Er lebt und arbeitet in Berlin. Promotion in Philosophie 2012. Seine Interessen lagen in den letzen Jahren bei der Geophilosophie und Anthropozäntheorie. Dazu hat er auch poetisch und poetologisch gearbeitet. Veröffentlichungen zum diesem Komplex: 

Anthropozän. Dichtung in der Gegenwartsgeologie (Verlagshaus Berlin 2015) 

Geospekulationen. Metaphysik für die Erde im Anthropozän (Merve 2019)

Orchidee und Technofossil. Gedichte (kookbooks 2019)

In der Corona-Pandemie 2020ff. hat Falb sich mit deren traumatischem Fallout beschäftigt und Ideen zu Global Health und Lebens-Form entwickelt:

COVID und Lebensform (Merve 2021)

In Form von Essays und Gedichten beschreibt Daniel Falb die Pandemie als Ereignis, das die Normalität unserer Wirklichkeit neu artikuliert und macht so die Perspektivenverschiebung sichtbar, die sich in Bezug auf (kranke) Körper vollzieht. Dabei erweitert er Giorgio Agambens Verständnis von Lebensform um den Begriff der Healthcare und zeigt, inwiefern Patient*innenakten und Apparatemendizin zum Dispositiv einer neuen, posthumanen Seele werden, die sich in maschineller Care materialisiert. „Health Care als Lebensform ist HALE-Kommunismus.“

Zuletzt hat Falb zur Philosophie der Weltbevölkerung gearbeitet:

Mystique der Weltbevölkerung (Merve 2022)

Mystique der Weltbevölkerung beschreibt die Ausgrabung der Weltbevölkerung als Gegenstand der Philosophie und politisches Objekt. Diese war nach dem toxischen Überbevölkerungsdiskurs der 1960–80er Jahre erst einmal in der Versenkung verschwunden. Vielleicht zurecht. Jetzt zeigt sich: wir kommen ohne den Weltbevölkerungsbegriff gar nicht aus, wenn wir uns selbst verstehen wollen. Und wenn wir in irgendeinem Sinne den Anspruch auf die Gestaltung des Globalen aufrechterhalten wollen (in einem Moment der De-Globalisierung).  

Aber die Weltbevölkerung ist kein gewöhnliches ,Objekt‘. Uns als ihren Komponenten erscheint sie in mystisches Dunkel getaucht. Ihre Rätsel werden im Buch mit Derek Parfit gezeigt. Eine:r der Begründerïnnen der negativen Theologie, Pseudo-Dionysius, hilft, sie im Licht der mystischen Tradition besser verstehen zu lernen. 

Mystique der Weltbevölkerung ist kein gewöhnliches Philosophiebuch. Es ist eine Meditation + PowerPoint. Das Mysterium setzt eine Bilderproduktion in Gang und drängt zum Intertext.

Die Ausgrabung der Weltbevölkerung ist ein Abenteuer für die Zukunft. 

Ein neuer Gedichtband, Deutschland. Ein Weltmärchen (In leichter Sprache), erscheint 2023: 

Die Coronapandemie der Jahre 2020ff. lässt sich betrachten als vielleicht „größtes Kontrollexperiment in komparativer Governance in der Geschichte – mit dem Virus als Kontrollvariable“. (Benjamin Bratton) Während das Virus überall das gleiche ist, sind die Reaktionen auf es vielgestaltig. Der Erreger macht gesellschaftliche ,Vorerkrankungen‘ schonungslos sichtbar. Zugleich beruht die Möglichkeit einer Pandemie auf der Realität einer Globalisierung, die Nationalstaaten als autonome Einheiten und Akteure längst durchlöchert hat.

Von diesem Ausgangspunkt her begibt sich der Band in einen Intertext mit Heinrich Heines berühmtem Wintermärchen (1844) und schreibt dessen Deutschlandkritik für das 21. Jahrhundert fort. Dabei geht es nun weniger um eine Reise durch Deutschland, als um den Nachvollzug der Routen und Kanäle, die dieses Segment der Erdoberfläche mit dem Rest der Welt verknüpfen. Zugleich geht es um die Grenzen und Schwellen, die im Weltsystem wie innerhalb Deutschlands Zugang (access) beschränken und gestalten.

Ins Poetische gespiegelt stellt dieser Fokus die Frage nach der leichten Sprache – das ist das poetische Experiment von Deutschland. Ein Weltmärchen. Die leichte Sprache ist eine Sprache der Inklusion. Als solche findet man sie immer öfter in den deutschsprachigen Informationslandschaften.

Die leichte Sprache ist aber auch Wahrheitssprache – sie ist, was man Menschen sagt, die man nicht anlügen kann.

Und:

Die leichte Sprache kann eine Sprache der Dichtung sein.

Als barrierefreier Zugang zum Gedicht.

Als barrierefreier Gang durchs Gedicht – wohin es auch entführen mag.

Und als barrierefreier Zugang, im Gedicht, zu jener ursprünglichen Vielsprachigkeit, die jede Nationalsprachlichkeit und jede ,deutsche Literaturgeschichte‘ axiomatisch unterläuft.      

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Daniel Falb is a poet and theorist. He lives and works in Berlin. Doctorate in philosophy 2012. His interests in recent years have been geophilosophy and anthropocene theory. He has also done poetic and poetological work on this. Publications on this complex: 

Anthropozän. Dichtung in der Gegenwartsgeologie (Verlagshaus Berlin 2015)

Geospekulationen. Metaphysik für die Erde im Anthropozän (Merve 2019)

Orchidee und Technofossil. Gedichte (kookbooks 2019)

 

In the Corona Pandemic 2020ff. Falb has dealt with its traumatic fallout and developed ideas on global health and life-form.  

COVID und Lebensform (Merve 2021)

In the form of essays and poems, Daniel Falb describes the pandemic as an event that rearticulates the normality of our reality and thus makes visible the shift in perspective that is taking place in relation to (sick) bodies. In doing so, he expands Giorgio Agamben's understanding of the form of life to include the concept of healthcare and shows the extent to which patient*s files and apparatus medicine become the dispositif of a new, posthuman soul that materializes in machine care. “Health care as a form of life is HALE communism.”

Most recently, Falb has worked on the philosophy of world population:

Mystique der Weltbevölkerung (Merve 2022)

Mystique of World Population describes the excavation of world population as an object of philosophy and political object. This had first disappeared into obscurity after the toxic overpopulation discourse of the 1960-80s. Perhaps rightly so. Now it becomes clear that we cannot do without the concept of world population if we want to understand ourselves. And if we want to maintain in any sense the claim to shape the global (in a moment of de-globalization).  

But the global population is no ordinary ‘object.’ To us as its components, it appears bathed in mystical darkness. Its mysteries are shown in the book with Derek Parfit. One:r of the foundersï of negative theology, Pseudo-Dionysius, helps to understand them better in the light of the mystical tradition. 

Mystique of the World Population is not an ordinary philosophy book. It is a meditation + PowerPoint. The mystery sets in motion a production of images and urges the intertext.

The excavation of the world population is an adventure for the future. 

A new book of poetry, Deutschland. Ein Weltmärchen (In leichter Sprache), will be published in 2023: 

“The corona pandemic of 2020ff. can be viewed as perhaps the “largest control experiment in comparative governance in history – with the virus as the control variable.” (Benjamin Bratton) While the virus is the same everywhere, the responses to it are multiform. The pathogen relentlessly exposes societal ‘pre-existing conditions.’ At the same time, the possibility of a pandemic is based on the reality of a globalization that has long since riddled nation-states as autonomous entities and actors.

From this starting point, the volume enters into an intertext with Heinrich Heine’s famous Wintermärchen (1844) and continues its critique of Germany for the 21st century. It is now less about a journey through Germany than about tracing the routes and channels that link this segment of the earth's surface with the rest of the world. At the same time, it is about the borders and thresholds that limit and shape access in the world system as well as within Germany.

Mirrored into the poetic, this focus poses the question of easy language – that is the poetic experiment of Deutschland. Ein Weltmärchen. Easy language is a language of inclusion. As such, it is increasingly found in German-language information landscapes.

But easy language is also truth language – it is what you say to people you cannot lie to.

And:

Easy language can be a language of poetry.

As barrier-free access to the poem.

As a barrier-free walk through the poem – wherever it may take you.

And as barrier-free access, in the poem, to that original multilingualism that axiomatically undermines every national linguistic and every ‘German literary history.’”   

[Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)]

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